• Historie des Fachwerkhauses PDF Drucken E-Mail

     

     

    Zur Geschichte des Hauses Altstadtstraße 5, Eppingen

     

    In Band 2 der Reihe „Rund um den Ottilienberg“ der Heimatfreunde Eppingen schrieb Pfarrer Gehrig, dass es sich bei dem Gebäude, Altstadtstraße 5 um ein „bemerkenswertes Fachwerkhaus“ handle. Er führte weiter aus, dassdie Holzbohlen neben dem seitlichen Eingang noch vor einigen Jahrzehnten zahlreicher gewesen seien.

     

    In der „Kirchengeschichte der Stadt Eppingen“ von H. Wirth,ev. Dekan in Eppingen, steht auf Seite 5: „Die Nikolauspfründe hatte ein Haus (Kaplaneihaus) am Rathaus, welches die geistliche Administration in Heidelberg am 23. April 1584 an Schultheiß, Bürgermeister und Rat der Stadt Eppingen um 300 Gulden verkaufte (Wahrscheinlich war der Käufer Leonhard Ritter).Das Haus war so begrenzt: Unten (was heißt hier unten?) der Stadt Rathaus, vorn die Gasse, hinten Georg Bauer undSebastian Schmits Erben“.

     

    Nach heutigem Wissen ist die Nikolauspfründe 1421 von der Eppinger Bürgerin Katharina Huggin, oder Hauggin, welche später auch die reiche Huggin genannt wurde, gestiftet worden. Eine ausführliche Stiftungsurkunde dieser Pfründe ist nicht vorhanden. Das Besetzungsrecht für den Nikolauskaplan kam von der reichen Huggin später an die bekannte Eppinger Patrizierfamilie Diemar. Es ist anzunehmen, dass ein oder zwei Leutepriester an einemvielleicht auch zwei hier aufgestellten Altären die Messe lasen. Die Höhe derZimmer im ersten Obergeschoß erreicht2,80m und die im zweiten Obergeschoß2,86 m.Das ist ungewöhnlich für ein Wohnhaus in der damaligen Zeit (1483), dochlässt es die Vermutung zu, dass hier zwei Altäre standen, an denen für das Seelenheil der verstorbenen Verwandten der Stifterin gebetet wurde.

     

    Bei den Ausgrabungen, die dem Erweiterungsbau der kath. Stadtkirche vorausgegangen sind, hat man in dem ehemaligen Friedhof, der damals jede Kirche umgab, mehrere Knochen und zwei Skelette gefunden, die jeweils in schwarze Kutten gehüllt waren und auf den skelettierten Köpfen einen ebenfalls schwarzen Schlapphut trugen. Professor Andernach, Freiburg,gab der VermutungAusdruck, dass dies die Überreste von zwei Priestern waren, die entwederan der Hauptkirche „Unserer lieben Frau“ Dienst taten, oderLeutepriester waren. In diesem Zusammenhang muss man betonen, dassdas Haus Altstadtstraße 5der Nikolaipfründe gehörte.

    Josef Semek, der im Auftrag des früheren Dekans der kath. Stadtkirche, Dr. Wolfgang Baunach, bei den Grabungsarbeiten dabei war, bestätigte kürzlich die Funde und fügte hinzu, dass man sich damals entschloss, die Skelette wiederan ihrem bisherigen Platz der Erde zu übergeben.

    Edmund Kiehnle, der während der Ausgrabungen amtierender Stadtbaumeister in Eppingen war, schrieb in der Festschrift zum 550 Jahrestag der kath. Stadtpfarrkirche „Unsere liebe Frau“ einen Aufsatz über „Kirchhof und Siedlung“. Ich konnte darin allerdings keine Erwähnung der o. g. Geschichte finden. Darauf angesprochen, erwiderte mir Herr Kiehnle: „Ich habe nur aufgeschrieben, was ich gesehen habe“. Gleichzeitig betonte er aber, dass der damalige Bauunternehmer Otto Baumann immer eilig die Arbeiten voran trieb und Herr Kiehnle sehr wahrscheinlich nicht alles zu sehen bekam. Bekanntlich sind die Bauunternehmer nicht erfreut, wenn etwas gefunden wird!

     

    1540 gehörte die Nikolauspfründe zu den drei Pfründen ( St. Nikolaus, St. Katharina und die Reiche-Huggin-Pfründe) deren Besetzungsrecht dem Eppinger Geschlecht Diemar zustand.Noch 1576 war dieses im Besitzeines Diemar,doch musste er sie bald an die geistliche Güterverwaltungin Heidelberg abgeben. Die Reformation hatte inzwischen Einzug in der Kurpfalz gehalten und damit auch in Eppingen.

     

    Offenbar wusste man unter den neuen Umständen nicht mehr wie man das Haus nutzen sollte. Man brauchte esnicht mehr! Inzwischen war es auch baufällig geworden, wie man behauptete. Es trug jährlich nur 5 GuldenHauszins ein. Das besagt, dass das Haus, also 1584 schon alsalt angesehen worden war, wieDekan Wirth meinte.Das Hauswar genau 100 Jahre alt. Wir sind heute Steinhäuser gewöhnt, die sogar die Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges überstanden haben und noch mehr als 100 Jahre nicht nur Wind und Wetter, sondern auch der Narrheit der Menschen getrotzt haben. Ich selbst wohne in einem solchen Haus und empfinde es noch nicht einmal als alt.

     

    Eine andere historische Besonderheit an diesem Hause war der einköpfige Adler, der auf ein kleines Holzschild gemalt und an einem Balkenkopf an der Südseite, d. h. der Altstadtsraßenseite des Hausesbefestigt war. Im Zuge der Renovierungsarbeiten musste das Holzschild, das schon eine Nachbildung des Originals war, abgenommen werden, leider hat es diese Prozedur nicht überlebt. Wegen der historischen Bedeutung desselbengabich aber eine Nachbildung in Auftrag, dieambesagten Platz, dem gleichen Balken, angebracht wurde. Schreinermeister Mairhofer, Eppingen fertigte einen massiven Holzblock in Schildform an, den der Künstler Harry van Essen mit einem staufischen einköpfigen schwarzen Adler auf echtem Blattgold bemalte. Das alte Wappen- wenn auch als getreuliche Nachbildung- hat wieder seinen angestammten würdigen Platz gefunden.

    Pfarrer Gehrig spricht in dem oben erwähnten Aufsatz die Idee aus, dass dieses Adlerwappen höchst wahrscheinlich das älteste Wappen der Stadt Eppingen gewesen sein mag aus der Zeit, als das Stadtwappen allein den reichsstädtischen Adlerund noch nicht den badischen Schrägbalken gezeigt habe.

     

    Als ich dann die erste Begegnung mit der Denkmalbehörde, Stuttgart in Gestalt der Frau Reiff in diesem Hause hatte, sagte sie mir ohne Umschweif: „Das kann ich Ihnen mit Sicherheit sagen, dass in diesem Hause niemals eine Schenke gewesen ist.“ Offenbar wardieser Gebrauch des Hauses eine reine Erfindung späterer historisch Interessierter. Als ich den vermutlichen Urheber darnachbefragte, meinte er ganz trocken: „Ha, i hab´ mer halt gedenkt, won s’ Rothaus newedroa war, no hewe die noch der Sitzung do ihren Dorscht g’lescha g’mißt!“

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    Klare Beweiße haben wir nicht, dassweder das Gebäude Altstadtstraße 5 eine Gebetsstätte war, noch dass die o. g. Überreste irgendwelchen Geistlichen zuzuordnen sind, doch ist es naheliegend, dass das Haus, da es der Pfründe gehörte und nur einen Steinwurf von der Hauptkirche entfernt liegt, für kirchliche Zwecke Verwendung fand, zumal man nach der Reformation offenbar nicht mehr wusste, was man mit dem Gebäude anfangen sollte.

     

    Bis nach dem ersten Weltkrieg saß noch ein weiterer Stock auf dem Hause Altstadtstraße 5. Er wurde abgenommen,weil das ausladende Stockwerkso schiefstand, dass der Nachbar sich bedroht fühlte.

     

    Dass ich jetzt nach 525Jahren hier eine Gaststätte eingerichtetund somiteinen Sündenfall begangen habe, hatmir bestimmt niemand an meiner Wiege gesungen. Hoffentlich komme ich jetzt nicht in die hinterste Hölle, zumal zurzeitkein Leutepriestermehr da ist, der für mein Seelenheil beten könnte. 

    Elisabeth Dörr, Eppingen

     


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